10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Antonio Skármeta  [ Chile, Deutschland ]

Biographie

Antonio Skármeta Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Mit brennender Geduld

Piper

München, 1985

[Ü: Willi Zurbrüggen]

Aus der Ferne sehe ich dieses Land

Ein Chilene in Berlin

Piper

München, 1993

[Ü: Monika Lopez]

Mein Freund Neruda

Begegnungen mit einem Dichter

Piper

München, 2010

[Ü: Petra Zickmann]

Mein Vater aus Paris

Graf

München, 2011

[Ü: Stefanie Gerhold]

Die Tage des Regenbogens

Graf

München, 2013

[Ü: Stefanie Gerhold]

Antonio Skármeta wurde 1940 in der nordchilenischen Stadt Antofagasta geboren. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften an der Universidad de Chile sowie an der Columbia University in New York City, wo er 1964 mit einer Dissertation über Julio Cortázar promovierte. Zurück in Santiago, war er u.~a. als Dozent für lateinamerikanische Literatur tätig und begann erste literarische Texte zu publizieren. Nach dem Militärputsch von 1973 emigrierte Skármeta zunächst nach Argentinien, mithilfe eines DAAD-Stipendiums anschließend nach West-Berlin. Dort lehrte er neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Drehbuchautor Dramaturgie an der Film- und Fernsehakademie.

Seine literarischen Stoffe entwickelte Skármeta, oft parallel, zudem für die Leinwand. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Roman »Ardiente paciencia« (1985; dt. »Mit brennender Geduld«, 1985), einer Adaption seines bereits 1983 selbst inszenierten gleichnamigen Spielfilms, die 1994 wiederum von Michael Radford äußerst populär erneut verfilmt wurde. Dem chilenischen Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda, dem Skármeta sich in diesem Werk mittels eines fiktiven Briefträgers annähert, widmete er mit dem Band »Neruda por Skármeta« (2004; dt. »Mein Freund Neruda«, 2011) eine autobiografische Hommage, die seinen Einfluss auf das eigene Leben und Schaffen episodisch und anhand subjektiv eingefärbter Gedichtinterpretationen nachzeichnet. 1989 kehrte er mit dem Wunsch, sich im demokratischen Aufbau des Landes zu engagieren, nach Chile zurück, wo er u.~a. die von ihm konzipierte Literatursendung »El Show de los Libros« moderierte. Von 2000 bis 2003 hatte er den Posten des chilenischen Botschafters in Deutschland inne. Die Geschichte Chiles, insbesondere die Jahre der Militärdiktatur Pinochets, sowie die Exilerfahrung prägen Skármetas literarisches wie kinematografisches Schaffen. In seinem jüngsten Roman »Los días del arcoíris« (2011; dt. »Die Tage des Regenbogens«, 2013) beleuchtet er durch das Prisma einer Liebes- und Familiengeschichte die Werbekampagne im Vorfeld des entscheidenden Referendums von 1988. Der Stoff wurde 2012 von dem Regisseur Pablo Larraín mit eigenwilliger Bildästhetik unter dem Titel »¡No!« verfilmt und im folgenden Jahr mit einer Oscar-Nominierung bedacht.

Skármeta unterrichtet mitunter in Santiago sowie am Colorado College, das ihm 2013 die Ehrendoktorwürde verlieh. Für sein künstlerisches Wirken wurde er mit zahlreichen prestigeträchtigen Auszeichnungen prämiert, darunter der Prix Médicis étranger (2001) sowie zwei der renommiertesten und höchstdotierten Preise des spanischsprachigen Literaturbetriebs, der Premio Planeta (2003) sowie der Primio Iberoamericano Planeta-Casa de América de Narrativa (2011). Zudem wurde er mit der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts (2002) und dem Bundesverdienstkreuz (2003) für sein kulturelles und politisches Engagement geehrt. Skármeta lebt in Santiago.

[http://www.clubcultura.com/clubliteratura/clubescritores/skarmeta/index.htm]