10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Alan Duff  [ Neuseeland ]

Biographie

Alan Duff Portrait
© privat

Gast des ilb 2002, 2012.

Bibliographie

One Night out Stealing
Tandem
Auckland, 1991
Warriors
Unionsverlag
Zürich, 1995
[Ü: Gabriele Pauer]

Out of the Mist and Steam
Tandem
Auckland, 1999

Szabad
Vintage
Auckland, 2001

Who sings for Lu?
Vintage
Auckland, 2009

Alan Duff wurde 1950 als Sohn einer Maori-Mutter und eines europäischen Vaters in Rotorua, Neuseeland, geboren und wuchs in einer Sozialsiedlung auf. Nach der Trennung seiner Eltern lebte er bei Verwandten, riss mit zwölf zum ersten Mal aus und wurde vom Jugendgericht in ein Erziehungsheim gesteckt. Seine Kindheitserinnerungen hat er 1999 in »Out of the Mist and Steam« (Ü: Aus Nebel und Dampf) festgehalten. Seit 1985 ist Duff freier Schriftsteller und Kolumnist für verschiedene Zeitungen, in denen er scharfe, oft umstrittene Kritik an der neuseeländischen Politik formuliert. In seinem umfangreichen Werk zeichnet Duff das heutige Leben der Urbevölkerung Neuseelands nach, deren soziale Probleme er unter anderem im Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten verankert sieht. Nicht die Assimilation an die Kultur der europäischen Kolonialmächte bedeute für die Maori den Ausweg aus der Armut, vielmehr zeigt er in Romanen wie »One Night out Stealing« (1991; Ü: Eine Diebstahlsnacht) die Hinwendung zu intellektueller Kreativität und traditioneller Spiritualität als positive Perspektive auf. In seinem Essay »Maori: The Crisis and the Challenge« (1993; Ü: Maori: Krise und Herausforderung) formulierte er die These, viele Maori verharrten in einer passiven Erwartungshaltung gegenüber der Regierung, statt selbst zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen. Mit dem Anliegen, den Teufelskreis von Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und Gewalt aufzubrechen, hat Duff 1995 das »Books in Homes«-Hilfsprogramm ins Leben gerufen, das jährlich 80.000 Kinder, davon die Hälfte Maori, mit Büchern beschenkt.

Weltweite Bekanntheit erlangte Alan Duff 1990 mit seinem ersten Roman »Once Were Warriors« (1995; dt. »Warriors«, 1995), der mit dem P.E.N. Best First Book Award ausgezeichnet und 1994 von Lee Tamahori verfilmt wurde. In rauem Dialekt und Slang und mit einer dynamischen Erzählweise des stream of conciousness porträtiert Duff eine Maori-Familie, deren Alltag durch Alkoholismus und Arbeitslosigkeit, physische und psychische Gewalt geprägt ist. Beth leidet unter den Übergriffen ihres Mannes Jake und dem Tod zweier ihrer Kinder und findet schließlich Kraft in der Rückkehr zu den kulturellen Überlieferungen ihres Stamms und gibt das alte Wissen weiter. Die 1996 erschienene Fortsetzung »What Becomes of the Broken Hearted?« (Ü: Was wird aus denen mit gebrochenem Herzen?), die 1997 mit dem Montana Book Award ausgezeichnet und 1999 verfilmt wurde, richtet den Blick auf Jake und dessen allmähliche, schmerzhafte Selbstbegegnung. 2002 erschien der letzte Teil der Warriors-Triologie »Jake’s Long Shadow« (Ü: Jakes langer Schatten). Im Jahr darauf wurde der erste Teil als Musical in Neuseeland aufgeführt.

Mit »Szabad« über den Ungarischen Volksaufstand veröffentlichte Duff 2001 erstmals einen Roman, der außerhalb Neuseelands angesiedelt ist. Sein jüngster Roman, der Thriller »Who sings for Lu?« (2009; Ü: Wer singt für Lu?), spielt in Sydney. Alan Duff lebt heute südlich von Paris.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.thecore.nus.edu.sg/post/nz/duff/duffov.html]

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