10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Rita Dove  [ USA ]

Biographie

Rita Dove Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

The Yellow House on the Corner
Carnegie Mellon University Press
Pittsburgh, 1980

Museum
Carnegie Mellon University Press
Pittsburgh, 1983

Fifth Sunday
University Press of Virginia
Charlottesville u. London, 1985

Thomas and Beulah
Carnegie Mellon University Press
Pittsburgh, 1986

Die morgenländische Tänzerin
Rowohlt
Reinbek, 1988
Übersetzung: Karin Graf

Die gläserne Stirn der Gegenwart
Heiderhoff
Eisingen, 1989
Übersetzung: Fred Viebahn

Grace Notes: Poems
Norton
New York u. London, 1989

Through the Ivory Gate
Pantheon Books
New York, 1993

Mother Love: Poems
Norton
New York u. London, 1995

On the Bus with Rosa Parks: Poems
Norton
New York u. London, 1999

American Smooth: Poems
Norton
New York u. London, 2004

Übersetzer: Karin Graf, Fred Viebahn, Jan Wagner

Rita Dove wurde 1952 in der Industriestadt Akron, Ohio, geboren. Nach ihrem Studium der Anglistik, Germanistik und Musik an der Miami University in Oxford, Ohio, ermöglichte ihr ein Fulbright-Stipendium das Studium Europäischer Literaturen an der Universität Tübingen. Anschließend ging sie an die University of Iowa, um Creative Writing zu studieren und bald selbst auch zu unterrichten. 1977 folgte sie ihrem zukünftigen Ehemann, Fred Viebahn, nach Oberlin, Ohio, wo sie als freie Autorin arbeitete. Nach längeren Aufenthalten in Deutschland und Israel kehrte sie 1981 in die USA zurück, lehrte an der Arizona State University in Tempe und ab 1989 an der University of Virginia, wo sie seit 1993 Commonwealth Professor of English ist. Rita Dove ist Mitglied der »Academy of American Poets« und des amerikanischen PEN Zentrums.Sie lebt mit ihrem Ehemann und der gemeinsamen Tochter Aviva in Charlottesville, Virginia, etwa zwei Autostunden südlich von Washington, D.C.

Ihre ersten Gedichte veröffentlichte Rita Dove ab 1974 in Zeitschriften und Anthologien. Ihr offizielles Buchdebüt gab sie mit der Gedichtsammlung »The Yellow House on the Corner«. Nach einem weiteren Lyrikband (»Museum«) und einer Sammlung von Kurzgeschichten (»Fifth Sunday«) erhielt sie 1987 für den ein Jahr zuvor publizierten Band »Thomas and Beulah« den Pulitzer Preis für Lyrik. 1993 wurde die Dichterin überdies zur Staatsdichterin (»Poet Laureate«) der Vereinigten Staaten und Beraterin der Library of Congress erklärt. 2005 erhielt sie den »Common Wealth Award of Distinguished Service«.Neben weiteren Gedichtbänden (u.a. »Grace Notes«, 1989, »Mother Love«, 1995, »On the Bus with Rosa Parks«, 1999) hat Rita Dove auch einen Roman, »Through the Ivory Gate« (1992), und ein Drama, »The Darker Face of the Earth«, veröffentlicht, das seine europäische Premiere 1999 am Royal National Theatre in London hatte. Ihr Liederzyklus »Seven for Luck« wurde 1998 in der Vertonung für Sopran und Orchester von John Williams uraufgeführt.

Rita Dove gehört zu den afroamerikanischen Autorinnen und Autoren, deren literarische Beschäftigung mit der Geschichte ihrer Rasse weit über den persönlichen und politischen Hintergrund hinausgeht. »Es sind Gedichte über Menschen, und manchmal sind Menschen schwarz,« kommentiert sie selbst ihr Werk. Dies zeigt sich beispielhaft in »Thomas and Beulah«, einer Zusammenstellung von 44 Rollengedichten, in der Dove aus der imaginierten Perspektive ihrer Großeltern und vor dem Hintergrund historischer Ereignisse vom frühen zwanzigsten Jahrhundert bis in die 1960er Jahre von dem alltäglichen Leben kleiner Leute erzählt. Für sie als Frau und als Schwarze, so Dove, habe es in der amerikanischen Geschichte jener Jahre keinen eigentlichen Platz gegeben. Das spornte sie dazu an, eine Definition ihres geschichtlichen Ortes aus ihren eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen heraus künstlerisch anzugehen.

»Wo ist ein Wort, ein Talismann, den man der Welt entgegenhält?« heißt es in »The Other Side of the House«. Der Magie des präzisen, unverbrauchten Wortes, das die Macht hat, Wirklichkeit zu verändern, steht die destruktive Kraft des instrumentalisierten Wortes gegenüber. Den Verlauf dieser schwer zu definierenden Grenze zeichnet Dove in einem ihrer wirkungsmächtigsten Gedichte, »Parsley«, nach, das sie 1993 im Weißen Haus bei Präsident Clintons erstem Staatsbankett selbst vortrug. Wie die Vorstellung einer Ästhetik des Wohllauts, der Dove in ihrer von musikalischen Rhythmen beeinflußten Dichtung anhängt, pervertiert werden kann, zeigt der Genozid eines Diktators, der seine Opfer an ihrer fehlerhaften Aussprache erkennt.

© internationales literaturfestival berlin

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