10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Raphaël Confiant  [ Martinique ]

Biographie

Raphaël Confiant Portrait
© Jacques Sassier

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Commandeur du sucre
Écriture
Paris, 1994

Das Flüstern der Zamanas
Manholt
Bremen, 1995
Übersetzung: Volker Rauch

Insel über dem Winde
Krüger
Frankfurt/Main, 1996
Übersetzung: Uta Goridis

La vierge du Grand Retour
Grasset
Paris, 1996

Das Schmetterlingskostüm
Manholt
Bremen, 1998
Übersetzung: Volker Rauch

Chimères d’en-ville
Librio
Paris, 1998

La lessive du diable
Écriture
Paris, 2000

Le cahier de romances
Gallimard
Paris, 2000

Mord am Karsamstag
Scherz
München, 2001
Übersetzung: Uta Goridis

Brin d´amour
Mercure de France
Paris, 2001

L´archet de colonel
Mercure de France
Paris, 2001

Morne-Pichevin
Bibliophane
Paris, 2002

Nuée ardente
Mercure de France
Paris, 2002

La dissidence
Écriture
Paris, 2002

Le barbare enchanté
Écriture
Paris, 2003

La panse du chacal
Mercure de France
Paris, 2004

Adèle et la pacotilleuse
Mercure de France
Paris, 2005

Übersetzer: Uta Goridis, Volker Rauch

Raphaël Confiant wurde 1951 in Lorrain, einem kleinen Dorf im Norden Martiniques, geboren. Er ging in Fort-de-France zur Schule und studierte in Aix-en-Provence. Seit 1979 ist er Dozent für Englisch und Kreolisch auf Martinique. 1982 beteiligte er sich an der Gründung der unabhängigen Wochenzeitung »Antilla«, die auf den Antillen und in Französisch-Guayana vertrieben wird.

Als »Chabin«, d.h. als ein Hellhäutiger mit negroiden Zügen, identifiziert sich Confiant damit, Mischling, Kreole zu sein. Darin unterscheidet er sich von seinem legendären literarischen Vorfahren, dem karibischen Autor Aimé Césaire, der sich auf seine afrikanischen Wurzeln besann. Seine ersten Bücher schrieb Confiant auf kreolisch, in der Sprache der Plantagenarbeiter, die praktisch nur mündlich überliefert war. »Auf kreolisch zu schreiben,« so erinnert sich der Autor, »war, als dringe man in einen unberührten Wald vor. Ich hatte damals noch nie ein Buch auf kreolisch gelesen oder gar gesehen! Ich mußte auf die Jagd nach Worten gehen und mir eine Rechtschreibung für sie ausdenken. Das war aufregend, aber entmutigend, denn kein Verlag wäre jemals so verrückt gewesen, sein Geld für die Publikation von Büchern auszugeben, die keiner lesen konnte. Wir waren gezwungen, unsere Bücher auf eigene Kosten herauszubringen.« Der erfinderische Umgang mit Sprache, den Confiant sich damals zu eigen machte, prägt auch seinen französischen Stil. 1988 schrieb er mit »Eau de Café« (dt. »Insel über dem Winde«, 1996) seinen ersten Roman auf französisch. Die Zusage eines Pariser Verlegers beflügelte ihn so sehr, daß er innerhalb von vier Monaten einen weiteren Roman, »Le Nègre et l'Amiral«, schrieb, der noch vorher publiziert wurde. »Beim Wechsel vom Kreolischen zum Französischen kam ich mir vor als wäre ich von einer Ente in einen BMW umgestiegen«, erklärt Confiant seinen Schaffensschub. Dieser ging soweit, daß der Autor sich dran machte, auch einen seiner kreolischen Romane, »Marisosé« (1987), selbst ins Französische zu übersetzen. Damit öffnete er das Werk für weitere Übertragungen. »Mamzell Libellule«, so der französische Titel von 1994, erschien 1998 auch auf deutsch (»Das Schmetterlingskostüm«, 1998).

Raphaël Confiant ist mehrfach für sein Werk ausgezeichnet worden. Für seine Kindheitserinnerungen, »Ravines du devant-jour« (dt. »Das Flüstern der Zamanas«), die er »allen kleinen ›Chabins‹ der Erde« widmete, erhielt er 1993 den Prix Casa de las Americas und den Prix Jet Tours. Für seinen Roman „La Panse du Chacal“ (2004; Ü: Der Bauch des Schakals) erhielt er 2004 den Prix des Amériques insulaires et de la Guyane. Als Romancier hat er verschiedene Genres adaptiert; den Kriminalroman ebenso wie den historischen Roman. Zur letzteren Kategorie tendiert auch sein Buch »Brin d'amour« (2001; Ü: Der Spross der Liebe). Die Handlung ist vor etwa 40 Jahren angesiedelt, in der Zeit, als es noch die großen Zuckerrohrplantagen gab, die später dem Tourismus weichen mußten. Confiants Rückblick ist nostalgisch, er versetzt ihn in die Zeit seiner Kindheit zurück. Er ist aber auch kritisch, denn die Hauptfigur Lysiane flüchtet sich aus der engstirnigen Gesellschaft, die sie umgibt, indem sie schweigt und liest — und schreibt.

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