10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Michele Leggott  [ Neuseeland ]

Biographie

Michele Leggott Portrait
© Joanna Forsberg

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Swimmers, Dancers
Auckland UP
Auckland, 1991

DIA
Auckland UP
Auckland, 1994

As Far as I Can See
Auckland UP
Auckland, 1999

Milk and Honey
Auckland UP
Auckland, 2005

Übersetzer: Rainer G. Schmidt

Michele Leggott wurde 1956 in Stratford, Taranaki, auf Neuseeland, geboren. Ihr Englischstudium an der Universität von Canterbury schloß sie mit einer Arbeit über den neuseeländischen Schriftsteller Ian Wedde ab. Sie ging dann für fünf Jahre an die University of British Columbia in Kanada, wo sie eine Dissertation über den amerikanischen Dichter Louis Zukofsky verfaßte. Ab 1980 veröffentlichte Leggott eigene Gedichte in Zeitschriften. Nach einer ersten kleinen Sammlung erschien 1988 ihr erstes Buch, »Like This?«, mit Gedichten der letzten zehn Jahre. Es wurde mit dem PEN First Book of Poetry Award ausgezeichnet.

Seit 1986 unterrichtet Michele Leggott Englisch an der Universität von Auckland; sie arbeitete außerdem als Herausgeberin unter anderem 1991 bis 1993 für die Zeitschrift »Landfall« und publiziert Aufsätze über zeitgenössische Poesie und Poetik. 1998 trat sie in einem Videofilm mit dem Titel »Heaven’s Cloudy Smile« auf, der auf Filmfestivals in Auckland, Montreal und Rio De Janeiro gezeigt wurde. Seit 1999 leitet Leggott eine Forschungsgruppe, die sich mit der neuseeländischen Schriftstellerin Robin Hyde (1906-1939) beschäftigt.

Leggotts Gedichte sind in zahlreichen Anthologien zur neuseeländischen Lyrik vertreten. »DIA«, ihr dritter Lyrikband von 1994, wurde mit dem New Zealand book Award for Poetry ausgezeichnet. In ihrem letzten Buch, »As far as I can see« von 1999, verarbeitet die Dichterin ihre leidvolle Erfahrung des Verlusts ihrer Sehkraft. Sie erhielt hierfür einen Preis der neuseeländischen Foundation for the Blind.

Als Dichterin zeigt sich Michele Leggott von ihrer wissenschaftlichen Arbeit über die experimentelle Lyriktradition Amerikas und Neuseelands beeinflußt. Neben kompakten, kurzzeiligen Gedichten mit ausgeklügelten Wortspielen und musikalischen Effekten, die von der Rezeption Zukofskys zeugen, finden sich auch bis zu sieben Seiten lange, langzeilige Werke. »Swimmers, Dancers« von 1991 verknüpft in einer Art verbalem Fotoalbum Kindheitserinne-rungen mit den Erfahrungen eigener Familiengründung. Als eine Hommage an die weibliche Lyriktradition ihres Landes und zugleich als Kritik an deren Vernachlässigung ist der Zyklus »Blue Irises« (in »DIA«) zu verstehen. In diesen 30 Gedichten experimentiert Leggot mit der Sonettform, von der sie den Umfang von 14 Zeilen, nicht jedoch das Reimschema übernimmt. Ihr letztes Buch, zum Teil ebenfalls in solchen freien Sonnetten geschrieben, bezeichnet die Autorin als Versuche, »sich an das Sehen zu erinnern, etwas gegen die Dunkelheit zu stellen, während ich nach Wegen suchte, zu verstehen, wohin sie mich gestellt hat.«

In dem Zyklus »a woman, a rose, and what has it to do with her or they with one another« reflektiert sie ihre Situation in rhythmisch sehr freien Prosagedichten.

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