10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2001 / Lydia Davis

Lydia Davis  [ USA ]

Biographie

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Break it Down
Farrar, Straus & Giroux
New York, 1986

The End of the Story
Farrar, Straus & Giroux
New York, 1995

Blind Date
Chax Press
Tucson, 1998

Samuel Johnson is Indignand
Picador
New York, 2002

Varieties of disturbance
Stories
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2007

Fast keine Erinnerung
Droschl
Graz, 2008
[Ü: Klaus Hoffer]

Übersetzerin: Barbara von Bechtolsheim-Leibbrandt, Klaus Hoffer

Lydia Davis wurde 1947 in Northampton, Massachusetts, geboren. Sie wuchs dort und in New York City auf, verbrachte aber einen Teil ihrer Schulzeit in Graz, Österreich, wo sie die Ursulinenklosterschule besuchte. Nach ihrem Studium am Barnard College ging sie für fast drei Jahre ins Ausland, nach Irland und Frankreich. Während ihrer Zeit in Paris arbeitete sie als Übersetzerin für die Filmindustrie und für Kunstgalerien, bevor sie sich ganz auf die Übertragung literarischer Texte konzentrierte. Inzwischen hat sich Davis mit Übersetzungen von Autoren wie Marcel Proust, Maurice Blanchot, Michel Butor, Pierre Jean Jouve, Michel Leiris und Gustave Flaubert einen Namen gemacht. Für den Band »Scratches« des Surrealisten Leiris erhielt sie 1992 den French-American Foundation Translation Award.

Den größten Teil der Kurzgeschichten, die 1976 in einer ersten Sammlung unter dem Titel »The Thirteenth Woman and Other Stories« publiziert wurden, schrieb Davis in Südfrankreich. Mit »Break it down« kam 1986 bei Farrar, Straus & Giroux ihr erster großer Band mit Erzäh-lungen heraus, der daraufhin bei der Auswahl für den Literaturpreis der PEN/Hemingway Foundation in die Endrunde kam. Auf ihren bisher einzigen Roman, »The End of the Story« (1995), folgte 1997 mit »Almost No Memory« (dt. »Fast keine Erinnerung«; 2008)  ein weiterer Erzählungsband. Präsent ist die Autorin überdies in zahlreichen renommierten Literaturzeitschriften und Anthologien. Neben anderen Auszeichnungen hat Lydia Davis ein Guggenheim Stipendium und den Lannan Literary Award erhalten. Sie ist mit dem Maler Alan Cote verheiratet, lebt mit ihm und ihrem Sohn Theo in Port Ewen, New York.

Ihre gleichzeitige Tätigkeit als Übersetzerin schlägt sich, so die Kritikerin Edith Jarolim, in der Prosa von Lydia Davis nieder. Ihre Figuren seien nicht nur der zeitgenössischen Welt, sondern auch ihrer eigenen Sprache entfremdet und erschienen manchmal wie intelligente Ausländer, die gelernt haben, korrekt zu sprechen, aber die Umgangssprache noch nicht ganz beherrschen. Sie selbst charakterisiert ihr Schreiben als eine philosophische Untersuchung – über das Verhältnis von Imagination und Wirklichkeit, über die Wahrnehmung von Ich-Identität, oder über den Konstruktionscharakter von Wahrheit. Immer wieder thematisiert sie den Status von Kommunikation – zwischen ihren Figuren wie zwischen Autor und Leser. So diskutiert die Erzählerin ihres Romans nicht nur mit ihrem Geliebten über unterschiedliche Interpretationen von Worten und Handlungen, sondern reflektiert außerdem fortwährend ihre eigene Schriftstellertätigkeit. Das selbstbekundete Interesse der Autorin gilt der Diversität literarischer Ausdrucksformen, mithin der Vielfalt von Möglichkeiten, durch die Sprache Realitäten zu erzeugen.

© internationales literaturfestival berlin