10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Chen Danyan  [ China ]

Biographie

Chen Danyan Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

Death of a schoolgirl
Fukutake Publishing Co.
Japan, 1990

Nü zhong xuesheng zhi si
Yeqiang Chubanshe
Taibei, 1991

Neun Leben: Eine Kindheit in Shanghai
Nagel & Kimche
Zürich, 1995
Übersetzung: Barbara Wang

Yu he ta de zi xing che
Wenyichubanshe
Shanghai, 2002

Tianshi Duzitong
Wenyichubanshe
Shanghai, 2003

Übersetzerin: Barbara Wang

Chen Danyan wurde 1958 in Shanghai geboren. Von 1978 bis 1982 studierte sie chinesische Literatur an der Eastern China Normal University. Nach ihrem Abschluß war sie als Redakteurin des »Children's Epoch Magazine« tätig. Bereits 1972 veröffentlichte Chen erste Texte im »Shanghai Youngsters«. Ihre 1984 erschienene Prosaarbeit wurde unter anderem mit dem Shanghai Young Writer's Prize ausgezeichnet.

Seit 1986 setzt sich die Autorin mit einer für die chinesische Literatur neuen Thematik auseinander. In ihren Erzählungen rücken die Erlebnisse und Gefühle heranwachsender Mädchen in den Mittelpunkt. 1990 entstand mit »Beautiful Sun in Chilly Winter« (»Schöne Sonne in kaltem Winter«) ihre erste Erzählung für Jugendliche. Ihr folgten weitere, wie etwa »Death of a Schoolgirl« (»Tod einer Schülerin«), welche von der Japanese Association for Childrens Literature 1991 zu einem der hundert besten Kinderbücher der Welt gewählt wurde. Chen Danyans Auseinandersetzung mit der Gefühlswelt Jugendlicher steht in engem Zusammenhang mit einer kritischen Betrachtung der (seit über zwei Jahrzehnten praktizierten) chinesischen »Ein-Kind-Politik«. Die als Einzelkinder aufgewachsene junge Generation in China war auch das Thema einer dreimonatigen Radio-Talk-Show im Shanghai Eastern Radio. 1996 entstand eine Fernsehserie mit dem Titel »Single Children«. Ihr 1997 erschienenes dokumentarisches Buch »Manifest der Einzelkinder« verkaufte sich auf dem chinesischen Festland 70.000 Mal und wurde Bestseller des Jahres.

Nach ihren eigenen Angaben wird das als »Paris des Orients« bezeichnete Shanghai tief von europäischer Kultur beeinflußt. Im Anschluß an ihren Deutschlandbesuch 1992 bereiste die Autorin weite Teile Europas und lernte dadurch, wie sie sagt, das »wirkliche« Europa kennen, welches sich deutlich von ihren literarisch geprägten Vorstellungen unterschied. Ihre Impressionen hielt Chen Danyan in einer Vielzahl von Texten fest. Auch eine Reise durch die USA (1994) fand Niederschlag in ihrer literarischen Arbeit, etwa in dem Text »New York Holiday«, den sie in einem italienischen Café in einer Kleinstadt New Jerseys verfasste.

Von den Werken Chen Danyans liegt bisher nur der Roman »A Girl« (dt. »Neun Leben«, 1992) in deutscher Übersetzung vor. Er erhielt den UNESCO-Prize for Peace and Tolerance und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert (1996). In dem autobiographischen Roman verarbeitet die Autorin ihre Erlebnisse während der Kulturrevolution im Shanghai des Jahres 1966, die beeinflußt sind durch eine Atmosphäre der Angst und des Mißtrauens.

Chen Danyans neueste Arbeiten sind von dokumentarischem Charakter. 1998 erschien mit »Shanghai Memoir« ein Bericht über Shanghai, der mit dem China's Best-Seller Award of the Year ausgezeichnet wurde. »Shanghai Beauty« wurde 2000 veröffentlicht.

Chen Danyan lebt in Shanghai. Sie ist verheiratet und Mutter eines Mädchens.

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