10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Bei Dao  [ China ]

Biographie

Bei Dao Portrait
© Doris Poklekowski, www.foto-poklekowski.de

Gast des ilb 2001.

Bibliographie

The August Sleepwalker
Anvil Press Poetry
London, 1988
Übersetzung: Bonnie S. McDougall

Gezeiten. Ein Roman über Chinas verlorene Generation
Fischer
Frankfurt/Main, 1990
Übersetzung: Irmgard E. A. Wiesel

Notizen vom Sonnenstaat: Gedichte
Hanser
München, 1991
Übersetzung: Wolfgang Kubin

Post bellum
Hanser
München, 1991
Übersetzung: Wolfgang Kubin

A Splintered Mirror
North Point Press
San Francisco, 1991
Übersetzung: Donald Finkel

Old Snow
Anvil Press Poetry
London, 1992
Übersetzung: Bonnie S. McDougall und Chen Maiping

Out of the Howling Storm
Wesleyan University Press
Hanover, NH, 1993
Übersetzung: Tony Barnstone

Forms of Distance
Anvil Press Poetry
London, 1994
Übersetzung: David Hinton

Landscape Over Zero
New Directions Publishing
New York, 1996
Übersetzung: David Hinton and Yanbing Chen

Midnight´s Gate
New Directions Publishing
New York, 2005
Übersetzung: Matthew Fryslie

Übersetzer: Wolfgang Kubin, Irmgard E.A. Wiesel

Bei Dao – wörtlich »Insel im Norden« – wurde 1949 als Zhao Zhenkai in Peking geboren. Er studierte chinesische Sprach- und Literaturwissenschaft und war bis 1987 als Herausgeber für verschiedene chinesische Zeitungen und Literaturzeitschriften tätig. Während des Pekinger Frühlings (1978-80) rief er zusammen mit dem Lyriker Mang Ke die literarische Untergrund-zeitschrift »Jintian« (»Heute«) ins Leben, die er seit ihrer Wiederbegründung 1991 vom Ausland aus betreut. 1984 trat der Dichter in den chinesischen Schriftstellerverband ein. Obgleich er für seine Kritik an der Einstellung der Literaturzeitschrift »China« 1986 gemaßregelt wurde, erhielt er noch 1988 den Staatspreis der Volksrepublik China für den besten Gedichtband.

Im Februar 1989 forderte Bei Dao die Freilassung von Wei Jingsheng in einem Offenen Brief an Deng Xiaoping, der von 40 führenden Intellektuellen unterzeichnet wurde und eine breite Kampagne für Menschenrechte auslöste. Zur Zeit des Massakers auf dem Tiananmen Platz (4. Juni 1989) hielt sich der Dichter, dessen Verse z.T. als Slogans bei den Demonstrationen gerufen wurden, als Gast des DAAD in Berlin auf. Da er in seiner Heimat von Verhaftung bedroht war, lebte er seither im Exil, wo er Gastdozenturen in England, Dänemark und den USA übernahm.

Bei Dao gilt als bedeutendster Dichter der so genannten »obskuren Lyrik«. Im Zentrum seines Schaffens steht das lyrische Werk. Hier zeichnet sich der Einfluß westlicher und chinesischer Moderne deutlich ab. Daneben veröffentlichte er auch Kurzgeschichten und Essays, zuletzt die Sammlung »Midnight's Gate«. Bei Dao widmet sich schon früh einer kritischen Aufarbeitung der chinesischen Geschichte nach 1949. Er widerspricht dem mystifizierenden Bild einer fortschrittlichen Entwicklung, indem er nicht Befreiung, sondern Flucht, Gefangenschaft und Isolation thematisch in den Mittelpunkt stellt. Der »anfänglich unbekümmerte Ton«, so sein Übersetzer Wolfgang Kubin, wird im Laufe der Jahre »zunehmend komplizierter«. Dieser Eindruck verdankt sich einer verfeinerten Form der Montagetechnik, bei der sich die Bilder so übereinanderlegen, daß die Dinge scheinbar beziehungslos, z.T. paradox nebeneinanderstehen. Hermetik und Dunkelheit sind Schlagworte, die bei der Charakterisierung des lyrischen Werks Bei Daos häufig fallen. In ihrer Verweigerung einer eindeutigen Aussagestruktur öffnen sich die Gedichte einer allgemeinen menschlichen Zustandsbestimmung. Das Verhältnis von Ich und Welt wird nicht nur in seiner politischen Dimension sprachlich ausgeleuchtet, wenn es etwa heißt: »Der Welt bin ich/Auf immer ein Fremder/Ich verstehe ihre Sprache nicht/Sie versteht mein Schweigen nicht.«

Neben anderen Preisen erhielt Bei Dao den »Freedom-to-Write«-Preis des PEN-Zentrums USA West, den Tucholsky-Preis des Schwedischen P.E.N. und den Aragana-Lyrikpreis der Internationalen Poesiefestivals in Casablanca. seit 1996 ist er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters. Zur Zeit lebt er in Davis, Kalifornien. Seine Werke, die in 25 Sprachen übersetzt sind, waren zeitweise in der Volksrepublik China nicht genehm, können aber inzwischen wieder erscheinen. Mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen, zählt er heute zu den bedeutendsten chinesischen Gegenwartsautoren. In deutscher Sprache sind zahlreiche Gedichte und Erzählungen sowie der Roman »Gezeiten« erschienen. Seit 2006 darf Bei Dao auch wieder in China leben und arbeiten.

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