10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Europa im Streit

„Mehr Europa wagen – die EU braucht engagierte Bürgerinnen und Bürger“ ist das Leitthema des im Mai begonnenen Kongresses, der nach dem Festival die Ergebnisse der Europa-Wahlen in den Blick nehmen wird.

 

 

 

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MEHR EUROPA WAGEN –

DIE EU BRAUCHT ENGAGIERTE BÜRGERINNEN UND BÜRGER!

 

Das ist das Leitthema der Auftaktveranstaltung des Kongresses »Europa im Streit« am 2. Mai 2014 im Haus der Kulturen der Welt. In einer Zeit, da das Thema »Europa« in den nationalen Wahlkämpfen kaum eine Rolle spielt, die drängenden Probleme Europas hinter geschlossenen Türen verhandelt werden und eine wachsende Zahl von populistischen Parteien die öffentliche Meinung zu bestimmen sucht, ist es nötig, Europa – und seinen Kontroversen – einen neuen Raum zu verschaffen. Die Zweifel und Einwände der Bürger verdienen Gehör und sollten nicht den Populisten und den politischen Eliten überlassen werden. Ziel des Kongresses ist es, eine Kultur des öffentlichen Streits mit Bürgern, Intellektuellen und Politikern über die Konflikte und Potentiale Europas anzustoßen und ein Netzwerk mit ähnlich ausgerichteten Initiativen zu etablieren. Nicht Beschwörung und Besänftigung bringen Europa weiter, sondern der öffentlich geführte Meinungsstreit.

Der Kongress wird am 06. und 07. November 2014 fortgesetzt und die Ergebnisse der Europa-Wahlen in den Blick nehmen.

Möchten Sie weitere Informationen zum Kongress »Dispute over Europe« erhalten, haben Fragen oder Anregungen oder möchten am Kongress teilnehmen, dann schreiben Sie uns gerne an presse@literaturfestival.com


 

Das Programmheft des Kongresses "Europa Im Streit" (2. Mai & 18. - 19.September) finden Sie hier zum Download.

Das Programmheft des Kongresses "Europäische Streitgespräche" (6. - 7. November) finden Sie hier zum Download.

 

EUROPA IM STREIT

KICK-OFF 02. MAI 2014

KONGRESS 18. - 19- September

 

Eintritt frei

 

PROGRAMM      
14:00 14:15 Begrüßung Jan Macháček / Ulrich Schreiber
14:15 – 16:15 DIE IDEE VON EUROPA - NEXT GENERATION

In Kooperation mit den Vaclav Havel European Dialogues

Welche Idee von Europa haben junge Leute heute? Mit der nächsten Generation von Europäern über ihre Ansichten, Erfahrungen und Erwartungen zu diskutieren ist ein wichtiger Bestandteil der Agenda von »Europa im Streit«. Arbeitslosigkeit und die mangelnde Identifikation mit Europäischen Institutionen sind nicht die einzigen Sorgen junger Europäer. Was ihnen fehlt, ist eine offene und ehrliche Diskussion drängender Fragen. Aber sie sind auch optimistisch: ein Gefühl von gemeinsamer Verantwortung, die Förderung sozialer Werte und junge europäische Medien sind vorhanden in der ›next generation‹. Eine Gruppe von engagierten und kritischen jungen Europäern wird ihre Vision vom gegenwärtigen und zukünftigen Europa im Podium The Idea of EuropeNext Generation debattieren.

Debatte Hassaan Bin Shaheen / Christian Felgenhauer / Carmela Negrete Navarro / Sonja Katharina Schiffers / Daniel Tkatch

Moderation Isabell Hoffmann / Nina Jurisch

16:15 – 16:45 Pause
16:45 – 17:00 Einführung Peter Schneider
17:00 – 17:20 HÉCTOR ABAD ÜBER EUROPA ALS UNIVERSALE FORM DER ZIVILISATION

Der aus Medellín stammende Schriftsteller Héctor Abad Faciolince, der aus dem kolumbianischen Bürgerkrieg nach Italien floh, 2006 Gast des DAAD in Berlin, liest den Europäern die Leviten, weil sie ohne Not zur Disposition stellen, wovon Menschen in der Dritten Welt träumen: Die Einigung des Kontinents, gekoppelt mit zivilgesellschaftlicher Toleranz und Demokratie.

17:20 – 19:20 DIE IDEE VON EUROPA HEUTE

Europa stellt heute ein einzigartiges Zivilisationsmodell dar, das in großen Teilen der außereuropäischen Welt Anerkennung und Bewunderung genießt. Nach Jahrhunderten von Kriegen, imperialistischen und totalitären Verirrungen hat Europa sich zum Erbe der Aufklärung bekannt – zur Unveräußerlichkeit der Menschen- und Bürgerrechte, zur Trennung von Kirche und Staat, zu einem sozial gemäßigten Kapitalismus. Nirgendwo auf der Welt gibt es auf gedrängtem Raum eine so große Zahl von unterschiedlichen, demokratisch verfassten Kulturen. Aber die Strahlkraft, die das europäische Modell für viele Schwellenländer hat – siehe die jüngsten Ereignisse in der Ukraine – wird in Europa selbst kaum wahrgenommen. Sind die Europäer dabei, das Projekt Europa und die Hoffnungen, die es weckt, aus Desinteresse, Egoismus und Weltvergessenheit zu verspielen? Was kann, was muss getan werden, um das europäische Zivilisationsmodell gegen die Gefahren zu verteidigen, die ihm von innen wie von außen drohen? Wie kann Europa in der Welt seiner Verantwortung gerecht werden?

Debatten

Ivan Krastev / Karl Schlögel / Camille de Toledo

Necla Kelek / Hans-Christoph Buch / Thomas Rietzschel

Moderation Wolfgang Herles

19:20 – 19:40 Pause
19:40 – 20:50 UKRAINE: DIE IDEE VON EUROPA ZWISCHEN OST UND WEST

Die Landkarte der Geopolitik wird in groben Linien gezeichnet: Danach findet sich die Ukraine geographisch in Nachbarschaft Russlands und politisch wie selbstverständlich in dessen Einflusssphäre. Die Menschen des Maidan hielten sich nicht an diese Karte, als sie sich die Freiheit nahmen und Europa zuwandten. Sie sahen sich auch nicht als »Nahes Ausland«, das eine besondere Nähe zum Kreml zu wahren hätte. Im Gegenteil: Sie traten an um die gewünschte Orientierung auf Europa durchzusetzen und entledigten sich dabei eines durch und durch korrupten Regimes, dessen Nähe Putin peinlich und dessen Schicksal ihm ein Menetekel hätte sein können. Aber davon will das gefühlte Imperium nichts wissen und schlägt real zurück. Die europäische Option der Ukraine wird zur Provokation Russlands erklärt, welche  die geopolitische Stabilität gefährde. Soll sich also das Verlangen nach Demokratie und Selbstbestimmung den Axiomen der Geopolitik fügen? Oder hat sich nicht schon 1989 erwiesen, dass Ordnungen, die auf Gewalt und Zwang beruhen, auf Dauer instabil sind? Doch wie anfällig bleibt die Ukraine gegenüber dem russischen Zündeln im Osten? Oder hat sich um den Maidan eine Nation mit neuer Bindung gefunden? Und schließlich: Scheitert oder wächst Europa an der Herausforderung der Krim-Krise? Besinnt es sich auf seinen Charakter als Politische Gemeinschaft? Und: wird Russland die Idee von Europa je adoptieren können oder in seinem geopolitischen Nullsummenspiel verharren?

Debatte

Jakob Augstein / Andreij Kurkov / Jurko Prochasko

Ivan Krastev / Jan Macháček / Karl Schlögel

Moderation Frank Herterich

20:50 – 21:00

Zusammenfassung Joachim Fritz-Vannahme

Sprachen

Englisch – Französisch – Deutsch Simultanübersetzung

Idee und Initative

Hans Christoph Buch, Daniel Cohn-Bendit, Ulrike Guérot, Frank Herterich, Nina Jurisch,
Steffen Noack, Peter Schneider, Ulrich Schreiber


Der Kongress »Dispute over Europe« ist eine Veranstaltung der Peter-Weiss-Stiftung für
Kunst und Politik in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung, der Allianz Kulturstiftung,
der BMW Stiftung Herbert Quandt und der Václav Havel Library.
Er wird unterstützt vom Auswärtigen Amt.

 

 

TEILNEHMENDE


Anne Applebaum , USA, Polen

Priya Basil, Großbritanien

Angelo Bolaffi, Italien

Dany Cohn-Bendit, Deutschland

György Dalos, Ungarn

Bill Drozdiak, USA

Joachim Fritz-Vannahme, Deutschland

Ralf Fücks, Deutschland



Ulrike Herrmann, Deutschland



Viktor Jerofejew, Russland
Sergey Lagodinski, Deutschland

Elina Makri, Großbritanien

Amanda Michalopoulou, Griechenland

Jaques Rupnik, Frankreich

Michail Schischkin, Russland

Volker Schlöndorff, Deutschland



Daniela Schwarzer, Deutschland

Linn Selle, Deutschland

Hubert Vedrine, Frankreich

Jon Worth, Großbritianien

Taras Yemchura, Ukraine

 

 

VORSCHAU       
Vorschau auf die Veranstaltungen des Kongresses im September 2014
Do 06 11 2014 EUROPA NACH DER WAHL

im Bann des Populismus?

 

DIE DEMOKRATISCHE LEGITIMATION EUROPAS
Ist sie herstellbar oder bleibt sie eine Utopie?

UNGLEICHHEIT ZWISCHEN NORD UND SÜD:
Kann der Euroraum damit leben? Was bietet er der Jugend?
Fr 07 11 2014 EUROPÄISCHE INTEGRATION:

Säkulare Republik und multikulturelle Gesellschaft

über die Grenzen der multikulturellen Toleranz

EUROPAS SICHERHEIT UND EUROPAS WERTE IN DER GLOBALISIERTEN WELT

wo und wie werden sie verteidigt, wer steht für sie ein?

FREIHEIT UND SOUVERÄNITÄT IN EUROPA

Wie sind sie gegen post-imperiale Aggression und wie gegen entfesselte Finanzmärkte zu verteidigen?

DAS EUROPA VON MORGEN

Rückzug in den Nationalstaat oder Flucht nach vorn in die Vereinigten Staaten von Europa?

 

Änderungen und Anpassungen an die politische Entwicklung werden unvermeidlich sein.

 

 

 

ERKLÄRUNG

MEHR EUROPA WAGEN DIE EU BRAUCHT ENGAGIERTE BÜRGERINNEN UND BÜRGER!

Im Jahr 2014 jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges. Das Trauma dieses Krieges und des von den Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieges gaben den Anstoß zur europäischen Einigung.

Die friedliche Revolution von 1989 und die Implosion des Sowjetimperiums rückten die Verwirklichung des Traums von einem freien und geeinten Europa in greifbare Nähe.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, müssen wir uns fragen, ob dieser Traum ausgeträumt ist:

Die Demokratien Europas sehen sich durch Russland herausgefordert, das in seinem Drängen auf Revision der Anfang der 90er Jahre gefundenen Friedensordnung auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. EU und Währungsunion stoßen angesichts der Finanz- und Schuldenkrise an institutionelle und politische Grenzen. Noch ist nicht sicher, ob Europa diese Herausforderungen besteht.

Im Gegenteil: Kleinmut regiert. Klare Worte zu drängenden Fragen der Zeit fehlen. Die politischen Eliten verlegen sich auf's Beschwichtigen und Beschwören. Unterdessen wachsen die Zweifel der Bürger an Europa. Populisten von rechts wie links mobilisieren gegen Brüssel, europafeindliche Parteien haben wachsenden Zulauf. Es wäre eine bittere Ironie der Geschichte, wenn der europäischen Idee, die 1989 stark genug war, den Eisernen Vorhang zu überwinden, jetzt der Atem ausginge.

Wir sagen: Nein, unser Traum von Europa ist nicht ausgeträumt. Die Europäische Idee erschöpft sich nicht in einer Währungsunion. Sie steht für ein einzigartiges Zivilisationsmodell und muss gegen ungebändigte Finanzmärkte ebenso verteidigt werden wie gegen neo-autoritäre Regime und postimperiale Aggression. Die Einsicht reift, dass der Euro nur im Rahmen politischer Institutionen überleben kann, die durch entschlossene Integrationsschritte zu einer Politischen Union Europas führen. Nur so kann die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit wachsen, die Europa braucht, um sich in den Fährnissen der globalisierten Welt zu behaupten. Mehr Europa und nicht weniger heißt die Parole!

Mehr Europa, wie wir es fordern, geht nur Hand in Hand mit mehr Demokratie. Die Einheit Europas kann nicht auf sich jagenden Gipfeltreffen – quasi hinter dem Rücken der Bürger - erreicht werden. Das europäische Projekt darf nicht zum exklusiven Besitz politischer und administrativer Eliten werden. Fragen, die die Existenz und Zukunft jedes einzelnen Bürgers betreffen, müssen in breiter öffentlicher Willensbildung verhandelt werden.  Nicht Besänftigung bringt Europa weiter, sondern der offene und öffentlich geführte Meinungsstreit. Die Zweifel und Einwände der Bürgerinnen und Bürger verdienen Gehör und dürfen nicht den Populisten überlassen werden.  Auch die unterschiedlichen Erfahrungen im Verhältnis von Nation und Selbstbestimmung, welche die Völker im Osten und Westen Europas in ihrer jüngeren Geschichte gemacht haben, verdienen eine offene Diskussion.

Diese Auseinandersetzung wollen wir führen, zunächst am 2. Mai und dann am 18. und 19. September 2014 in Berlin unter dem Titel »Europa im Streit«. Zu dem Kongress sind besonders auch engagierte Schüler und Studierende eingeladen.

Weitere Debatten, auch in anderen Städten und im Internet mögen folgen. Wir kooperieren mit dem internationalen literaturfestival berlin und mit den Václav Havel European Dialogues in Prag.

Die Initiatoren: Hans-Christoph Buch, Daniel Cohn-Bendit, Ulrike Guérot, Frank Herterich, Steffen Noack, Peter Schneider, Ulrich Schreiber.


 

in Kooperation mit: Bertelsmann Stiftung Logo_Bertelsmann.jpg

 

 

Allianz Kulturstiftung Allianz Kulturstiftung_normal.jpg

 

 

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Václav Havel Library

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Haus der Kulturen der Welt Logo HKW

 

 

 

Unterstützt von:

 

Auswärtiges Amt auswaertiges amt.jpg

 

 

Medienpartner: Café Babel cafebabel-berlin-sq.jpg

 

 

The European 
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Tip


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Perlentaucher

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Die Ideengeber und Initiatoren sind Hans-Christoph Buch, Daniel Cohn-Bendit, Ulrike Guérot, Frank Herterich, Nina Jurisch, Steffen Noack, Peter Schneider und Ulrich Schreiber.

Der Kongress "Dispute over Europe" ist eine Veranstaltung der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung, der Allianz Kulturstiftung, der BMW Stiftung Herbert Quandt und der Václav Havel Library. Sie wird unterstützt vom Auswärtigen Amt.