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10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Reaktion auf das Comicmanifest: Kulturstaatsminister begrüßt Comicstiftung

Vom Struwwelpeter zu Persepolis: Staatsminister Bernd Neumann (CDU). - Foto: Mike Wolff

Vom Struwwelpeter zu Persepolis: Staatsminister Bernd Neumann (CDU). - Foto: Mike Wolff

 

Staatsminister Bernd Neumann begrüßt die Pläne für deutsches Comicinstitut, ist aber anderen Forderungen des „Comic-Manifestes“ gegenüber skeptisch und lehnt direkte Künstlerförderung durch den Bund ab.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat die vor kurzem in Berlin beim Internationalen Literaturfestival beschlossene Gründung der deutschen Comicstiftung als Vorläufer eines Comicinstituts begrüßt. „Aus meiner Sicht kommt es für die Szene jetzt darauf an, dass spezielle Fördermöglichkeiten und -kriterien entwickelt werden, die auf die Stärken des Mediums Comic bezogen sind und sich dadurch von der klassischen Literatur- oder Kunstförderung unterscheiden“, sagte Neumann dem Tagesspiegel. Es sei „eine besondere Leistung, dass sich der Comic als eigenständige Kunstform eine stetig wachsende Anerkennung erobert hat“.

Gefragt, was er von dem Anfang September verkündeten „Comic-Manifest“ hält (mehr über dessen Inhalt und die Erstunterzeichner hier), antwortete er: „Ich finde es legitim und nachvollziehbar, dass die Verfasser des Manifestes im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin auf problematische Arbeitssituationen sowie die mehrheitlich prekären Einkommensverhältnisse von Comiczeichnern aufmerksam gemacht haben. Damit verbindet sich ein pointiertes Engagement für eine stärkere Anerkennung der Eigenständigkeit dieser Kunstsparte und auch für eine Ausweitung ihrer Fördermöglichkeiten. Für diese Intentionen des Comic-Manifestes habe ich Verständnis. Die Veröffentlichung hat im Ergebnis – zum Teil durchaus konträre – Diskussionen in der Szene ausgelöst.“

Einen Überblick über einen Teil dieser Diskussionen finden Sie unter diesem Link.

Gefragt, auf welche Weise der Kulturstaatsminister auf die in dem Manifest erhobenen Forderungen bezüglich der staatlichen Kulturförderung zu reagieren gedenkt, antwortete Neumann: „Ein Hinweis muss hier erlaubt sein: Die Kompetenz für die individuelle Förderung von Künstlerinnen und Künstlern haben grundsätzlich die Bundesländer! Der Bund selbst betreibt dementsprechend keine direkte Künstlerförderung – er kann nur mittelbar über von ihm finanzierte Einrichtungen fördern. Und dies geschieht zum Beispiel über die Kulturförderfonds oder den Hauptstadtkulturfonds. Insbesondere die Kulturstiftung des Bundes ermöglicht im Rahmen ihrer „Allgemeinen Projektförderung“ auch Förderanträge für Comicprojekte.“

Auf die Frage, wieweit es stimmt, dass Comics bisher in Deutschland weniger als andere Kunstformen gefördert werden, und wieweit sich das ändern sollte, antwortete der Staatsminister: „Ich halte es erst einmal für eine besondere Leistung, dass sich der Comic als eigenständige Kunstform mit enormer thematischer und stilistischer Bandbreite – gerade in den letzten Jahren – eine stetig wachsende Anerkennung erobert hat. Und es gibt ja auch Unterstützung, wie bei einer ganzen Reihe von Comic-Messen, Comic-Ausstellungen und Comiczeichenwettbewerben, die regelmäßig von den Kommunen, den Ländern aber auch vom Bund sowie von privaten Initiativen finanziell gefördert werden. Auch Möglichkeiten für Stipendien stehen den Comic-Zeichnern offen. Besonders begrüße ich den aktuell von Comicautoren und -verlegern gegründeten Verein Deutsche Comicstiftung, der – als Schritt zur Selbsthilfe – den Vorläufer eines Comic-Instituts mit internationaler Ausrichtung bilden soll. Aus meiner Sicht kommt es für die Szene jetzt darauf an, dass spezielle Fördermöglichkeiten und -kriterien entwickelt werden, die auf die Stärken des Mediums Comic bezogen sind und sich dadurch von der klassischen Literatur- oder Kunstförderung unterscheiden.“

Autor: Lars von Törne

 

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Die Quelle des Artikels ist Der Tagesspiegel 01.10.2013. Den Artikel zum Nachlesen finden Sie hier...