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10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Freiheit und Anerkennung für Edward Snowden - Weltweite Lesung am 8. September 2014

Das internationale literaturfestival berlin (ilb) ruft alle Menschen, Institutionen, Schulen und Medien, denen Freiheit und Bürgerrechte wichtig sind, zur Teilnahme an einer weltweiten Lesung für Edward Snowden am 8. September 2014 auf. Vorgetragen werden Texte zum Thema Überwachung.

Am 6. Juni 2013 veröffentlichte der „Guardian“ den ersten einer langen Reihe von Artikeln über die weltweit von Staaten und Unternehmen betriebene Massenüberwachung. Im Zentrum standen die amerikanische National Security Agency (NSA) und der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ). Nach wie vor werden Informationen aus den höchst vertraulichen Akten dieser Agenturen publiziert. Sie zeigen, dass Millionen unschuldiger Bürgerinnen und Bürger als Verdächtige digital verfolgt werden. Daten aus unseren Telefongesprächen, Online-Chats, SMS, Websuchen und der Nutzung der sozialen Medien – also all das, was Teil unseres täglichen Lebens ist – werden gesammelt, analysiert und gespeichert.

Es war ein Einzelner, der diesen schockierenden Verrat an der Privatsphäre aufdeckte: Sein Name ist Edward Snowden. Zunehmend desillusioniert und alarmiert angesichts des Ausmaßes der Überwachung und der illegalen Methoden, die zum Erkenntnisgewinn eingesetzt wurden, realisierte der ehemalige NSA-Mitarbeiter, dass er „nicht in einer Welt leben möchte, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Das will ich weder unterstützen, noch selbst erleben.“ Nach erfolglosen Versuchen, das System von innen heraus zu verändern, sah sich Snowden gezwungen, den einzig anderen Weg zu gehen, der es möglich machte, die Aufmerksamkeit auf diese massiven Rechtsverstöße zu lenken: Whistleblowing. Snowden wusste, dass er seine Freunde, seine Familie und sein Land vielleicht nie wiedersehen würde. Dennoch gab er sein bequemes Leben auf und verließ die USA. Bei sich hatte er nur vier Laptops, auf denen sich einige der geheimsten Dokumente der NSA befanden.

Dank sorgfältiger Kooperation mit verantwortungsbewussten Zeitungen konnten diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Sie lösten die längst fällige globale Diskussion über Demokratie und Menschenrechte im digitalen Zeitalter aus. Unternehmen gerieten wegen ihrer skrupellosen Verwertung von Kundendaten ins Blickfeld. Bürgerinnen und Bürger weltweit wachten auf und nahmen zur Kenntnis, dass es ohne Datenschutz keine Freiheit gibt: Sie forderten das Recht auf ein Leben ohne permanente Beobachtung. In der Konsequenz sahen sich die Regierungen aller Lände gezwungen, ihre Überwachungssysteme zu überprüfen. Einige mussten zugeben, dass sie mit der NSA zusammenarbeiteten.

Schon bald nach der Veröffentlichung der ersten Leaks enthüllte Edward Snowden seine Identität, um andere vor falschen Anschuldigungen zu schützen: „Ich will mich nicht verstecken“, sagte er. „Ich weiß, dass ich nichts Falsches getan habe.“ Das ilb unterstützt diese Feststellung und fordert alle Bürgerinnen und Bürger auf, das Gleiche zu tun und sich an der weltweiten Lesung für einen Mann zu beteiligen, der der Menschheit einen großen Dienst erwiesen hat.

Mit dieser weltweiten Lesung fordern wir die US-amerikanische Regierung auf, anzuerkennen, dass Edward Snowdens Enthüllungen für die Bewahrung der Demokratie im digitalen Zeitalter von essenzieller Bedeutung sind und dass sein Handeln vom Universal Unwritten Rule of the Ethical Right gedeckt ist. Washington muss alle Beschuldigungen und rechtlichen Schritte gegen Snowden zurücknehmen, damit er als freier Mann und in Sicherheit nach Hause zurückkehren kann.

Wir fordern, dass die Mitgliedstaaten der EU, in Anerkennung der Bedeutung seiner Enthüllungen, Edward Snowden Asyl gewähren – mindestens so lange, bis die amerikanische Regierung die Klagen gegen ihn zurückgezogen hat.

Und schließlich bitten wir das Nobelkomitee, Edward Snowden für den Friedensnobelpreis in Betracht zu ziehen – in Anerkennung seines einzigartig selbstlosen Einsatzes im Dienste der Demokratie, der Freiheit und des Friedens für uns alle.

Die gesamten Lesetexte werden am 30. Juli in mehreren Sprachen auf der Website www.worldwide-reading.com veröffentlicht. Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie teilnehmen wollen, unter folgender E-Mail-Adresse: worldwidereading@literaturfestival.com

 

Unterzeichner_innen:

Agualusa, José Eduardo  AO, BR
Ahmad, Omair  IN
Alegria, Claribel  NI
Amis, Martin  GB
Aridjis, Homero  MX
Aridjis, Betty  MX
Aridjis, Chloe  MX
Arvola, Ingeborg  NO
Aslam, Nadeem PK, GB
Assmann, Jan  DE
Azevedo, Ricardo  BR
Bachelet, Giovanni  IT
Badr, Liana  IL
Balci, Güner Yasemin  DE
Bartsch, Wilhelm  DE
Basil, Priya  GB
Battistella, Stefania IT
Belli, Gioconda  NI
Bernstein, Charles US
Blomé, Toby  US
Bodrozic, Marica  DE, HR
Böhm, Thomas DE
Bonné, Mirko DE
Bracho, Coral  MX
Brassinga, Anneke NL
Brett, Brian  CA
Breytenbach, Breyten  ZA
Buchholz, Martin  DE
Cacho, Lydia  MX
Castro, Brian  ZA
Chalfi, Raquel  IL
Cheheltan, Amir  IR, US
Chomsky, Noam  US
Clement, Jennifer  US, MX
Costa, Beppe IT
Day, Michael  US
de Bernieres, Louis  GB
de Souza, Patricia PE, FR
de Toledo, Camille FR
Debeljak, Aleš SI
Dimkovska, Lidija  MK
Dische, Irene DE, US
Dorfman, Ariel  AR, CL
Dragomán, György HU
Dutton, Paul  CA
Etwebi, Ashur  LY
Eugenides, Jeffrey  US
Fargo Cole, Isabel  US
Flanagan, Richard  AU
Forche, Carolyn  US
Frevert, Ute DE
Gatenby, Greg CA
Gerz, Jochen DE
Grote, Christian DE
Guo, Xiaolu  CN, GB
Gustafsson, Lars  SE
Hacker, Marilyn DE
Haslinger, Josef  DE
Hass, Robert L.  US
Haugen, Paal-Helge  NO

Heinrich, Finn-Ole  DE
Helgason, Hallgrimur  IS
Herbert, Wiesner DE
Herliany, Dorothea Rosa  ID
Hertmans, Stefan BE
Horstmann, Ulrich DE
Hosfeld, Rolf  DE
Howard, David  NZ
Humaidan, Iman  LB
Ihalainen, JK  FI
Ingebrigtsen, Eirik  NO
Jelinek, Elfriede AT
Jones, Gail  AU
Jonsdottir, Birgitta IS
Jungersen, Christian DK
Kessler, Florian DE
Kishore, Naveen  IN
Kleemann, Jessie  GL
Knausgård, Karl Ove NO
Knauss, Sibylle DE
Koteska, Jasna  MK
Krull, Hasso  EE
Kumpfmüller, Michael  DE
Lagash, Luca IT
Llongueras, Angelina  ES, US
Lodemann, Jürgen  DE
Magnason, Andri  IS
Mak, Geert NL
Malna, Afrizal  ID
Mandilaras, Filippos  GR
Mawiyoo, Ngwatilo  KE
Meddeb, Abdelwahab  TN, FR
Melandri, Francesca  IT
Menasse, Eva DE
Mernissi, Fatema  MA
Metz, Markus  DE
Michalopoulou, Amanda  GR
Morales Chavarro, Winston  CO
Nagarkar, Kiran  IN
Nakhjavani, Bahiyyih IR, US
Nilsson, Moni SE
Nwakanma, Obi  NG
Ondaatje,  Michael  CA
Oroschakoff, Haralampi  DE, AT
Palma, Jorge UY
Palmer, Michael  US
Paterson, Don  GB
Patiño Góez, Rafael CO
Peters, Christoph DE
Plessen, Elisabeth DE
Rendón, Fernando  CO
Restrepo, Laura  CO
Rinke, Moritz  DE
Rosa Mendes, Pedro PT
Rosenstock, Gabriel  IE
Rotfuß, Veronika  DE
Said, Mekkawi  EG
Saleh, Fakhri  JO
Saleh, Ameen  BH
Salmon, Christian  FR
Sartorius, Joachim DE
Satchidanandan, K. IN
Schreiber, Ulrich DE
Schuenke, Christa  DE
Schulze, Ingo DE
Šehić, Faruk BA
Selasi, Taiye  GB, IT
Sennewald, Nadja DE
Sguiglia, Eduardo AR
Shimon, Samuel IQ, GB
Shuttleworth, Mike  AU
Sofronieva, Tzveta  BG, DE
Sonnenberg, Brittani US, DE
Stamm, Peter  CH
Stanchina, Kanta  DE, IN
Stephanides, Stephanos  CY
Strubel, Antje DE
Szirtes, George  GB, HU
Tafdrup, Pia DK
Talvet, Jüri  EE
Teller, Janne DK
Thien, Madeleine CA, CN, MY
Thompson, Jon  US
Thor, Annika  SE
Toews, Miriam CA
Trojanow, Ilija BG, DE
Tuveri, Igor IT
Vlavianos, Haris  GR
Vold, Jan Erik  NO
Völker, Peter  DE
von Waberer, Keto  DE
Wainaina, Binyavanga  US, KE
Waldmann, Anne US
Walther, Joachim  DE
Warner, Marina  GB
Weinberger, Eliot  US
Welsh, Irvine GB
Wenzel, Hans-Eckhardt DE
Wharton, Herbert AU
Yang, Lian CN
Yiwu, Liao CN
Zeh, Juli DE